Auf der Erfurter Schlösserbrücke
Jan und ich kommen in Erfurt an und dann sind wir den Tag mit Peter Metz unterwegs (Juso-Landesvorsitzender und Landtagskandidat) unterwegs. Die Jusos sind mit einem kleinen Bus unterwegs, in dem sich ein Sofa vom Sperrmüll befindet. Wir fahren von Ort zu Ort, bauen das Sofa und eine kleine Mikrofon-Anlage auf. Peter und ich setzen uns, leiden unter der Hitze und der glühenden Sonne und beginnen politische Gespräche über Arbeit und Ausbildung, die Landtags- und die Bundestagswahl und den Kampf gegen Rechtsextremismus. Anfangs bin ich ziemlich irritiert. Teilweise muss man sprechen, ohne dass es außer den unterstützenden Jusos jemanden gibt, der sich hinstellt und zuhört. Dann merke ich aber, dass ein Mädel an der Tramhaltestelle ihre Bahn nicht nimmt, sondern aufmerksam zuhört, wie die unsere Flyer verteilenden Jusos mit den Leuten ins Gespräche kommen und ich denke mir, dass ist zwar erstmal ein komisches Gefühl, aber so ist es derzeit mit dem Interesse an der politischen Arbeit und ändern werden wir das nicht, wenn wir uns weiter in Sitzungsräumen verstecken. Wir müssen nach draußen gehen und auch wenn nicht jeder Vorbeiziehender eine interessierte Nachfrage stellt, wird bei einem Teil etwas angekommen sein und allein das ist ja schon was.
Am Abend sind wir auf der Schlösserbrücke. Wir sitzen auf einer Wiese. In der Mitte fließt ein kleiner Fluss. Auf der anderen Uferseite sitzen auf den Treppen eine Vielzahl von Leute, überwiegend Punker. Die Kulisse ist unglaublich schön. Peter und ich fangen an zu reden über besetze Häuser, Freiräume und was die SPD mit all dem zu tun hat. Unser Moderator watet zwischen der Gruppe auf der anderen Uferseite und unserer Seite im Fluss hin und her. Die einen stellen Fragen und Peter und ich bemühen uns um Antworten. Anfangs werden wir ganz schön angepöbelt. In Erfurt gab es ein besetztes Haus, gegen das es brutale Polizeiübergriffe gab und das letztlich geräumt wurde. Wir versuchen zu erklären, dass wir auch nicht mehr machen können als kämpfen, in unserer Partei und auf der Straße. Aber wir setzen uns auch nicht immer durch, denn die Kräfteverhältnisse in dieser Gesellschaft sind gerade, wie sie sind. Dann werden die Fragen aber versöhnlicher und als wir fertig sind, ist es dunkel und die andere Uferseite kommt zu uns herüber. Wir sprechen über die Größe der Hausbesetzerbewegung und den Zustand der gesellschaftlichen Linken. Dann beobachte ich Peter, wie er gemeinsam mit den hinzugekommenen Punkern erörtert, wie man zukünftig in solchen Situationen zusammenarbeiten kann, um solche Übergriffe zu verhindern. Ich bin froh, dass es solche Jusos gibt, die sich für den Bestand besetzter Häuser einsetzen und so cool, die Auseinandersetzung, den Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen linken Gruppen suchen und in all dem so kompetent und aktiv sind.
Und am Ende des Tages denke ich mir, so mühselig es ist, den Kontakt aufzubauen, bringt es was. Die Gespräche am Ufer den Flusses, die wir jetzt haben, hätten wir im Sitzungsraum nicht gehabt und wer weiß, was sich daraus entwickelt.
Tags: Besetzte Häuser, Erfurt, Freiräume, Selbstbestimmung



Montag, 24.August 2009 von Franziska Drohsel
Aktuelles, Deutsche Wirklichkeit verändern Tour